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Jetzt ist es soweit: der letzte Arbeitstag ist gekommen. Idealerweise hat man sich gedanklich und organisatorisch darauf vorbereitet. Es singt zwar kein Kinderchor, aber die KollegInnen sind freundlich und sagen , wie leid es ihnen täte, dass man geht. Es gibt einen Blumenstrauss, ein Glas Sekt und ein paar Knabbereien. Die Vorgesetzte bittet zu einem kleinen, freundlichen Abschiedsgespräch in ihr Büro. Man geht nochmal durchs Haus und verabschiedet sich von den Kollegen. Zu Hause findet man ein freundliches Schreiben vor , mit dem sich die Firma offiziell für für 20 Jahre Mitarbeit bedankt. (Die Zeit, in der Urkunden und goldenen Uhren übergeben wurden, ist lange vorbei).

So weit, so ideal.

Was aber, wenn in den letzten Arbeitsjahren unter Bedingungen gearbeitet wurde , die den Tatbestand des Bossings erfüllt haben? Die Vorgesetzte spricht nicht mit einem, ignoriert einen. Der Chef untersagt den Mitarbeitern , mit einem zu sprechen. Da sich jede(r) die/der Nächste ist, wird auch nicht dagegen angegangen. Die Vorgesetzte lädt zu Konferenzen nicht mehr ein. Zugangsrechte am PC werden beschnitten. Informationen werden nicht weitergegeben. Die Leitung löst das eigene Büro auf. Der Arbeitsbereich wird verkleinert oder aufgelöst. Stunden werden gestrichen.

Ältere ArbeitnehmerInnen, die vielleicht noch einen teuren Altvertrag auf der Grundlage des BAT haben, sind heute nirgendwo mehr gerne gesehen. Für die eine teure unbequeme Alte kann man zwei junge billige, willige, formbare Menschen einstellen.

Seinen letzten Arbeitsplatz mit diesen Eindrücken zu verlassen, ist verletzend, entwürdigend, respektlos. Anleitungen für diesen Fall findet man in der Ratgeberliteratur nicht. In diesem Fall scheint mir das Wichtigste zu sein, den letzten Arbeitsplatz vor der Rente, wie man es auch immer anstellt, aufrecht, in Würde und selbstbestimmt zu verlassen. Die Restlebenszeit sollte man ohne Verbitterung verbringen.

Wenn schon der Abschied am Arbeitsplatz nicht wertschätzend war, so kann man doch selbst eigene Akzente setzen, um den Übergang in den Ruhestand so zu gestalten, das man gute Erinnerungen daran hat: z. B. ein Treffen mit Freunden und Verwandten, bei dem ganz bewusst der Abschied gestaltet wird.
Gespräche über das vergangene Arbeitsleben. Hervorheben des Positven, denn auch das gab es mal.

Bossing, das Mobbing durch Vorgesetzte, kann nur geschehen, weil nicht darüber gesprochen wird. In Handbüchern für Manager und Leitungskräfte wird nicht darüber geschrieben. Bossing geschieht in einer Grauzone. Noch gibt es keine Gerichtsurteile dazu, auf die sich Angestellte berufen können.

Informationen , Hilfe , Beratung im Netz sind zu finden unter

https://www.mobbingscout.de/

(Stand 1/24)